Die Krux mit dem Facebook EdgeRank – oder warum er eben doch berechtigt ist

Der Facebook Edgerank und seine Auswirkung

Seit der erneuten Überarbeitung des EdgeRank-Algorithmus von Facebook überschlagen sich die Gemüter einiger Community-Manager. Man kann (will) einfach nicht begreifen, weshalb Facebook jetzt schon wieder an der Reichweite der Seitenbeiträge geschraubt hat. Zudem bietet Facebook seit einigen Tagen auch privaten Usern an, Statusupdates gegen Bezahlung promoten zu können (ähnlich der Promoted Posts von Seiten). Dies hat bei einigen, chronischen Facebook-Nörglern natürlich sofort wieder zur Vermutung geführt, dass das Netzwerk seit dem Börsengang partout nur noch aufs Geld seiner User aus ist. Und überhaupt, dies auch der Hauptgrund sei, dass die Reichweite der Beiträge sukzessive abgebaut werde, nur damit Seitenbetreiber vermehrt Werbung schalten müssen und so mehr Geld in die Facebook Kasse spülen.

Warum ein EdgeRank-Algorithmus

Durch den Einsatz des EdgeRank sorgt Facebook (ok, eigenmächtig) für mehr Relevanz im Netzwerk, was zugegeben zu Lasten der Beitragsreichweite geht. Andererseits bietet Facebook aber Unternehmen mit recht umfangreichen Werbemöglichkeiten auch Alternativen zur zusätzlichen Reichweitenvergrösserung der Beiträge an. Nur sind die halt kostenpflichtig.
Na und? Sicher juble ich auch nicht darüber, dass schon wieder am EdgeRank herumgeschraubt wurde, aber wer kann es Facebook denn verdenken, dass sie sich stetig darüber Gedanken machen, wie man mit dieser Plattform ein gewisses Qualitätsniveau halten und gleichzeitig regelmässig (guten) Umsatz erwirtschaften kann. Jeder von uns Unternehmer würde das doch genauso machen.

Fakt ist doch, dass nebst der Zunahme der Anzahl Facebook-User auch die Menge der (irrelevanten) Beiträge zugenommen hat. Und um ein stetiges “Zumüllen” des Newsfeed der User einigermassen kontrollieren zu können wird halt der EdgeRank, der für die Sichtbarkeit der Beiträge zuständig ist, angewendet (Thomas Hutter bringst auf den Punkt). Ich würde ja nichts sagen, wenn man dagegen überhaupt nichts machen könnte. Dem ist aber bekanntlich nicht so. Wissen wir doch, dass mit qualitativ guten Posts die Aufmerksamkeit der Fans und Freunde durchaus gewonnen, und diese so dazu animiert werden können, die Seitenbeiträge zu kommentieren, liken oder zu teilen, was wiederum mehr Reichweite bedeutet .

Mehr Interessantes – weniger Belangloses

Ich bin sowieso der Meinung, dass bei der Kommunikation auf Facebook nicht selten weniger mehr wäre. Posts wie: “Guten Morgen meine Freunde, ich bringe euch Kaffee” (dabei hat der Absender mit Dutzenden von Sonderzeichen eine “duftende Kaffeetasse” kreiert), fallen bei mir genauso durch wie die unendliche Anzahl an Folien/Bilder mit Lebensweisheiten und Sprüchen, die inzwischen jedes Kind kennt und die bekanntlich auch nicht immer zutreffen. Wenn mir jemand Kaffee bringen möchte, dann herzlichen Dank. Bin aber gespannt wie er das aus Österreich (von da kommt der Absender nämlich her) zu mir in die Schweiz schaffen will, ohne dass der Kaffee dabei kalt wird ;-) . Also weg mit so absolut belanglosen Posts. “Hallo Fans, wie geht es euch?”, “Wünschen allen einen schönen Sonntag!” oder “Was meint ihr zum Wetter am Wochenende?”. Die stören meiner Meinung nach mehr als dass sie effektiven Mehrwert vermitteln, geschweige denn die Fans unterhalten.

Natürlich ist es relativ wie interessant ein Facebook Beitrag tatsächlich ist. Ein Post zu einem Blogbeitrag über die Features des neuesten Apple-Handys kann für Apple-Fans durchaus interessant sein, wird aber die meisten Durchschnitts-Android-User wohl kaum brennend interessieren. Was wiederum beweist, dass die Zielgruppenanalyse auf Facebook nach wie vor das A und O ist. Was wollen unsere “Fans” von uns hören? Facebook Insights lässt grüssen ;-)
Auch die oft empfohlene Off-Topic Kommunikation (ausserhalb des eigentlichen Themas) heisst nicht automatisch, dass einfach belangloses Zeugs gepostet werden kann/soll.

Ich kenne niemanden der eine Facebook-Seite einfach nur aus Spass betreibt. Alle Unternehmen, die konsequentes Facebookmarketing betreiben, verfolgen damit bestimmte Ziele. Und wollen wir am Ende des Jahres nicht alle auch mehr Umsatz in der Kasse haben? Wenn mir Facebook also die Möglichkeit bietet mein Unternehmen gratis bekannt zu machen, was spricht denn dagegen diesen Effekt mit einigen Werbe-Franken (-Euros) noch zusätzlich zu verstärken? Bei gutem Facebookmarketing bekomme ich ja diese Einsätze alleweil wieder retour, wenn dafür mein Unternehmen resp. meine Produkte vermehrt weiterempfohlen werden.

Täglich sehe ich wie Unternehmen in Tages- und Wochenzeitungen Inserate schalten, die wesentlich mehr kosten als Facebook Ads und erst noch viel tiefere Reichweiten haben. Vom Streuverlust, da ja kaum ein gutes Targeting möglich ist, wollen wir gar nicht reden. Ich bin überzeugt, dass mit einem Teil dieses Budgets auf Facebook bessere Resultate erzielt werden könnten.

Qualitativ gutes Marketing kostet immer etwas

Wer sich also für Facebook als Marketinginstrument entscheidet, der muss sich bewusst sein, dass er nicht nur für die Kontoerstellung/-einrichtung, Strategie und das Community-Management Budget bereitstellen muss, sondern auch für das Promoten der Seite insgesamt. Dazu gehört auch das Pushen einzelner Seitenbeiträge, beispielsweise mit “Promoted Posts” usw.

Die Zeiten auf Facebook haben sich geändert, das ist klar. Facebookmarketing lohnt sich aber definitiv immer noch – sofern man “EdgeRank gerecht” vorgeht.

 

Robi Lack

Social Media Fan und laufend auf der Suche nach den neuesten Trends und Impressionen im Social Web. Leistet beratende Unterstützung bei klein- und mittelständischen Unternehmen in deren Web Marketing Aktivitäten. Dozent, Blogger und teilt auch gerne Sachen im Netz die wirklich teilenswert sind.

Kommentare (6) Schreibe einen Kommentar

  1. Manchmal kommt man durch das Internetsurfen auch wieder auf Blogseiten, die man in der Vergangenheit besucht hatte.So ist es auch jetzt wieder geschehen. Ausgehend vom Inhalt in diesem Blog wurden hinsichtlich Facebook
    einige markante Punkte angesprochen. Besonders die Ansage zu der bewussten
    “Kaffeetasse” und den “Bildern mit sinnvollen Sprüchen” decken sich auch mit meinen Ansichten hinsichtlich einer effektvollen Nutzung von Facebook. Ich selbst ertappe mich manchmal auch dabei , statt sinnvoller Worte einfach nur Bilder oder Videos zu posten. Jedenfalls werde ich mich bemühen, etwas anders zu werden.
    Danke für diesen inhaltsreichen Blog.
    Beste Grüße
    Manfred

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  2. Dem stimme ich zu, um hochwertiges Marketing betreiben zu können, bzw. um den Spam einzuschränken geht wohl kein Weg an einem preisbasierenden Modell vorbei…..

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